Vorwort
Es gibt Sätze, die wie ein Schlüssel wirken. Man liest sie, und plötzlich öffnet sich eine Tür zu einem Raum, von dem man nicht wusste, dass er existiert. Baudelaires berühmtes Wort über den Teufel ist ein solcher Satz. Denn wenn es stimmt – wenn die größte Strategie des Bösen tatsächlich darin besteht, unsichtbar zu werden –, dann müsste man seinen größten Triumph nicht dort suchen, wo das Böse offen wütet, sondern dort, wo niemand mehr von ihm spricht.
Und genau das ist der Befund unserer Zeit: Niemand spricht mehr von ihm. Nicht in den Schulen, nicht in den Medien, nicht in der Politik – und, das ist das eigentlich Erschütternde, kaum noch in der Kirche selbst. Die Begriffe Sünde, Hölle, Gericht und Teufel sind aus dem Wortschatz der westlichen Welt verschwunden wie Vokabeln einer toten Sprache. Wer sie dennoch verwendet, gilt als mittelalterlich, als fanatisch, als nicht mehr ganz von dieser Zeit.
Dieses Buch vertritt eine andere These: Das Verschwinden dieser Worte ist kein Zeichen des Fortschritts, sondern das Symptom einer Krankheit – und zugleich der raffinierteste Sieg, den der Feind der Menschheit je errungen hat. Es ist der Versuch, die verstreuten Puzzleteile zusammenzulegen: die über Jahrhunderte hinweg erstaunlich kohärenten Botschaften der anerkannten Marienerscheinungen, die Beobachtungen der Exorzisten, die historischen Ereignisse rund um das Schicksalsjahr 1963 und die Zeugnisse von Männern wie Pater Pio und Pater Gabriele Amorth.
Was dabei entsteht, ist kein bequemes Bild. Aber es ist auch kein hoffnungsloses. Denn dieselben Quellen, die den Verfall vorhersagten, verheißen auch die Wiederherstellung – und sie benennen mit großer Klarheit den Weg dorthin. Dieses Buch will beides tun: die Augen öffnen für den Ernst der Stunde und zugleich den klar definierten Ausweg zeigen, den der Himmel selbst gewiesen hat.
Ein Wort zur Methode: Dieses Buch unterscheidet sorgfältig zwischen kirchlich anerkannten Erscheinungen und Botschaften, umstrittenen Texten (wie der langen Fassung des Geheimnisses von La Salette) und inoffiziellen Berichten und Gerüchten. Wo eine Quelle umstritten ist, wird dies ausdrücklich gesagt. Der Leser soll selbst urteilen können – aber er soll urteilen auf Grundlage der Fakten, nicht auf Grundlage des Schweigens.
Einleitung: Das Rätsel der Exorzisten
Beginnen wir nicht mit einer Vision, nicht mit einer Prophezeiung, sondern mit einer nüchternen Beobachtung aus der Praxis – einer Statistik, wenn man so will, aus dem verborgensten Arbeitsfeld der katholischen Kirche.
Exorzisten führen Buch. Sie dokumentieren ihre Fälle, sie tauschen sich untereinander aus, sie kennen die Verläufe. Und über Jahrhunderte hinweg galt eine erstaunlich stabile Erfahrungsregel: Die Befreiung einer dämonisch besessenen Person dauerte im Durchschnitt ein bis zwei Tage. Der Priester kam, betete den Großexorzismus des Rituale Romanum, und der Feind wich.
Dann geschah etwas Seltsames. Um das Jahr 1963 – und Exorzisten wie Pater Chad Ripperger weisen mit Nachdruck auf dieses Datum hin – sprang diese Dauer abrupt nach oben: von ein bis zwei Tagen auf zehn bis vierundzwanzig Monate. Und es blieb nicht dabei. Die Verläufe wurden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zäher. Manche Fälle zogen sich plötzlich über acht Jahre hin. Heute, so berichten praktizierende Exorzisten, ist man an einem Punkt angelangt, an dem in den letzten Jahren keine einzige Person mehr vollständig von ihren Dämonen befreit werden konnte.
Man muss diesen Befund einen Moment auf sich wirken lassen. Dieselben Gebete. Dieselbe Kirche. Derselbe Christus, in dessen Namen befohlen wird. Und doch: Der Feind weicht nicht mehr.
Wie ist das möglich?
Die Antwort, die Pater Ripperger gibt, ist theologisch präzise und in ihren Konsequenzen erschütternd. Die Sakramente – Taufe, Eucharistie, Beichte – wirken ex opere operato: aus dem vollzogenen Werk selbst. Ihre Kraft hängt nicht von der Heiligkeit des Priesters ab, nicht vom Zustand der Kirche; Christus selbst ist der Handelnde. Die Sakramentalien aber – und dazu gehört der Exorzismus – wirken ex opere operantis Ecclesiae: aus dem Wirken der handelnden Kirche. Ihre Kraft hängt ab vom geistlichen Zustand der Kirche als ganzer, vom Glauben des Spenders, von der Disposition des Empfängers.
Der Exorzismus ist damit so etwas wie ein Fieberthermometer der Kirche. Wenn die Kirche stark ist, heilig, im Stand der Gnade – dann zittern die Dämonen vor einem einzigen Gebet. Wenn die Kirche schwach ist, lau, von innen ausgehöhlt – dann lachen sie.
Und das Thermometer zeigt: Seit 1963 sinkt das geistliche Fieber der Kirche unaufhaltsam. Je schwächer die Kirche, desto mehr Macht und Einfluss gewinnen die Dämonen – nicht nur über Besessene, sondern über Familien, Gesellschaften, ganze Nationen.
Damit stehen wir vor zwei Fragen, die dieses Buch in zwei Teilen beantworten will:
Erstens: Wurde dieser Verfall vorhergesehen? Gab es Warnungen? Und wenn ja – was sagen dieselben Quellen über das, was noch kommt?
Zweitens: Was genau ist um das Jahr 1963 geschehen? Was hat die Kirche so geschwächt, dass ihre jahrhundertealten Waffen stumpf wurden?
Die Antwort auf die erste Frage führt uns zu vier Orten: in ein Kloster in Quito, auf einen Berg in den französischen Alpen, in ein Hirtendorf in Portugal und in ein Konvent in Japan. Die Antwort auf die zweite Frage führt uns nach Rom – in die Jahre des Zweiten Vatikanischen Konzils und in die dunkelsten Gerüchte der jüngeren Kirchengeschichte.
Beginnen wir mit den Warnungen. Sie reichen weiter zurück, als die meisten ahnen – mehr als vierhundert Jahre.